Auf einen Blick
- LP (Lineares Programm): Lineare Zielfunktion maximieren/minimieren unter linearen Ungleichungsrestriktionen und Nichtnegativität.
- Zulässiger Bereich ist ein Polyeder; das Optimum liegt immer an einer Ecke (Eckentheorem).
- Zeichnerisch: Restriktionen einzeichnen, Isogewinngerade so weit wie möglich parallel verschieben.
- Simplex-Algorithmus: systematischer Eckentausch mit Schlupfvariablen und Pivotieren – jede Iteration verbessert (oder erhält) den Zielwert.
- Endtableau lesen können: Basisvariablen, Restkapazitäten (Schlupf) und Schattenpreise ablesen und ökonomisch deuten.
- Dualität & Sensitivität: Zu jedem PP existiert ein DP; Änderungen an $c_j$ oder $b_i$ verändern Optimum und aktive Restriktionen.
Kernkonzepte
2.1 Definition eines Linearen Programms (LP)
Ein LP in Standardform sucht den Vektor $x = (x_1, \dots, x_n)^T$, der die lineare Zielfunktion maximiert (oder minimiert), unter linearen Restriktionen und Nichtnegativität:
u. d. N. $a_{i1} x_1 + \dots + a_{in} x_n \le b_i \quad (i = 1, \dots, m)$
$x_j \ge 0 \quad (j = 1, \dots, n)$
In Matrixform: $\max c^T x$ mit $Ax \le b,\ x \ge 0$.
2.2 Einführungsbeispiel: 2 Produkte, 4 Maschinen
Ein Betrieb fertigt zwei Produkte $P_1$ und $P_2$ auf vier Maschinen $A, B, C, D$. Gewinne: 200 €/Stück ($P_1$) bzw. 500 €/Stück ($P_2$). Das LP lautet z. B.:
u. d. N. Kapazitätsrestriktionen von A, B, C, D
$x_1, x_2 \ge 0$
Grafisch bzw. per Simplex ergibt sich das Optimum bei $(x_1, x_2) = (30, 40)$ mit $G_{\max} = 26\,000$ €.
2.3 Zeichnerische Lösung & Eckentheorem
Jede Restriktion definiert eine Halbebene; ihr Durchschnitt ist der zulässige Bereich – ein Polyeder (bei zwei Variablen: Polygon). Die Isogewinngerade $c^T x = G$ wird solange parallel verschoben, bis sie den zulässigen Bereich nur noch berührt.
Eine Ecke des Polyeders ist ein Punkt, an dem mindestens zwei Restriktionen als Gleichungen aktiv sind.
2.4 Simplex-Algorithmus
Der Simplex-Algorithmus tastet systematisch die Ecken des Polyeders ab. Kern-Idee:
- Schlupfvariablen $y_i \ge 0$ einführen, um Ungleichungen $\sum a_{ij}x_j \le b_i$ in Gleichungen $\sum a_{ij}x_j + y_i = b_i$ zu überführen.
- Startbasis wählen (typisch: alle $y_i$ sind Basisvariablen, alle $x_j = 0$ Nichtbasisvariablen).
- Pivotwahl: Nichtbasisvariable mit größtem positivem Koeffizienten in der Zielzeile wählen (Aufnahme in die Basis).
- Engpassregel: $\min_i \{b_i / a_{i,\text{Pivot}} \mid a_{i,\text{Pivot}} > 0\}$ bestimmt die verlassende Basisvariable.
- Pivotieren (Gauß-Schritt): Basistausch durchführen.
- Wiederholen, bis keine positiven Zielzeilenkoeffizienten mehr existieren → Optimum erreicht.
2.5 Endtableau & Interpretation
Das Endtableau des Einführungsbeispiels liefert:
| Variable | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| $x_1$ | 30 | Stück P₁ |
| $x_2$ | 40 | Stück P₂ |
| $y_1$ | 0 | Maschine A voll ausgelastet |
| $y_2$ | 30 | Restkapazität Maschine B |
| $y_3$ | 0 | Maschine C voll ausgelastet |
| $y_4$ | 130 | Restkapazität Maschine D |
Die Schattenpreise stehen in der Zielzeile unter den Schlupfvariablen. Für dieses Beispiel:
- $y_1$ (Maschine A): Schattenpreis 100 €/h
- $y_3$ (Maschine C): Schattenpreis 66⅔ €/h
- $y_2, y_4$: Schattenpreis 0 (Maschine nicht ausgelastet → zusätzliche Stunde bringt keinen Mehrwert).
2.6 Sonderfälle
- Unendlich viele Lösungen (Mehrdeutigkeit): Isogewinngerade verläuft parallel zu einer aktiven Restriktion. Erkennbar am Endtableau, wenn eine Nichtbasisvariable in der Zielzeile den Reduziertenwert 0 hat.
- Unbeschränkter Lösungsraum: $G \to \infty$; der Simplex findet keine begrenzende Pivotzeile (alle $a_{i,\text{Pivot}} \le 0$).
- Leere Lösungsmenge: Restriktionen widersprechen sich → kein zulässiger Punkt existiert.
- Entartung: Mehr als $n$ Restriktionen schneiden sich in einer Ecke; führt ggf. zu Iterationen ohne Zielwertverbesserung.
2.7 Erweiterungen des Simplex-Verfahrens
- Minimierung: $\min c^T x = -\max (-c^T x)$ oder Vorzeichenwechsel in der Optimalitätsbedingung.
- Gleichungen ($=$): Kein Schlupf; ggf. Kunstvariable $\ge 0$ mit hoher Strafkosten (Big-M-Methode) oder Zwei-Phasen-Methode.
- Vorzeichenunbeschränkte Variablen: $x_j = x_j^+ - x_j^-$ mit $x_j^+, x_j^- \ge 0$.
- Unzulässige Ausgangslösung (Phase I): Hilfsproblem, das die Summe der Kunstvariablen minimiert. Ist das Optimum von Phase I gleich 0, ist eine zulässige Basis gefunden.
2.8 Dualität
Zu jedem primalen Programm (PP) existiert ein duales Programm (DP). Übersetzungstabelle:
| Primales PP (max) | Duales DP (min) |
|---|---|
| $\max c^T x$ | $\min b^T w$ |
| Restriktion $\le b_i$ | Variable $w_i \ge 0$ |
| Restriktion $= b_i$ | Variable $w_i$ vorzeichenunbeschr. |
| Variable $x_j \ge 0$ | Restriktion $\ge c_j$ |
| Variable $x_j$ vorzeichenunbeschr. | Restriktion $= c_j$ |
| Anzahl NB = $m$ | Anzahl Variablen = $m$ |
2.9 Sensitivitätsanalyse
Untersucht, wie stark sich Datenänderungen auf die Optimallösung auswirken:
- Zielfunktionskoeffizienten $c_j$: Die Steigung der Zielgeraden ändert sich. Solange die optimale Ecke unverändert bleibt, ändert sich nur der Zielwert (nicht die Lösung). Bei Überschreitung eines kritischen Bereichs springt das Optimum auf eine benachbarte Ecke.
- Rechte Seiten $b_i$: Verschiebung einer Restriktion. Bei aktiver Restriktion ($y_i = 0$): Zielwert ändert sich um Schattenpreis · $\Delta b_i$. Bei inaktiver Restriktion ($y_i > 0$): kein Einfluss, solange $\Delta b_i$ im Rahmen des Schlupfs bleibt.
- Aktive vs. inaktive Restriktion: Aktiv = Schlupfvariable = 0 (Restriktion ist voll ausgelastet), inaktiv = Schlupf > 0.
Merksätze
🧮 Rechenaufgaben mit Lösung 6 Aufgaben
Klausur-typische Rechenaufgaben. Klick auf eine Aufgabe, um den vollständigen Lösungsweg zu sehen.
Aufgabe 1: Graphische Lösung eines LP
Lösung
Schritt 1 – Restriktionsgeraden zeichnen:
- $x_1 + x_2 = 4$: Gerade durch $(4,0)$ und $(0,4)$.
- $x_2 = 3$: horizontale Gerade auf Höhe 3.
- $x_1, x_2 \ge 0$: erster Quadrant.
Schritt 2 – Ecken des zulässigen Polyeders bestimmen:
- $(0,0)$ – Ursprung
- $(4,0)$ – Schnitt $x_1+x_2=4$ mit $x_2=0$
- $(1,3)$ – Schnitt $x_1+x_2=4$ mit $x_2=3$: aus $x_1+3=4 \Rightarrow x_1=1$
- $(0,3)$ – Schnitt $x_1=0$ mit $x_2=3$
Schritt 3 – Zielfunktionswert an jeder Ecke berechnen:
| Ecke $(x_1,x_2)$ | $z = 2x_1 + 3x_2$ |
|---|---|
| $(0,0)$ | $0$ |
| $(4,0)$ | $8$ |
| $(1,3)$ | $2 + 9 = 11$ |
| $(0,3)$ | $9$ |
Schritt 4 – Maximum wählen: Der größte Zielwert wird an $(1,3)$ erreicht.
Aufgabe 2: Simplex-Startableau aufstellen
Lösung
Schritt 1 – Schlupfvariablen einführen: $y_1, y_2 \ge 0$ ergeben
$5x_1 + 6x_2 + y_2 = 120$
$z - 40x_1 - 60x_2 = 0$
Schritt 2 – Startableau:
| BV | $x_1$ | $x_2$ | $y_1$ | $y_2$ | RS |
|---|---|---|---|---|---|
| $y_1$ | 1 | 2 | 1 | 0 | 32 |
| $y_2$ | 5 | 6 | 0 | 1 | 120 |
| $z$ | −40 | −60 | 0 | 0 | 0 |
Schritt 3 – Pivotspalte wählen: kleinster (negativster) Zielkoeffizient ist $-60$ → Pivotspalte = $x_2$.
Schritt 4 – Pivotzeile via Engpassregel:
- Zeile $y_1$: $32 / 2 = 16$
- Zeile $y_2$: $120 / 6 = 20$
Kleinster Quotient bei $y_1$ → Pivotzeile = $y_1$. Pivotelement = $2$.
Aufgabe 3: Endtableau ökonomisch interpretieren
| BV | $x_1$ | $x_2$ | $y_1$ | $y_2$ | $y_3$ | RS |
|---|---|---|---|---|---|---|
| $z$ | 0 | 0 | 0 | 1{,}5 | 0{,}5 | 300 |
| $x_2$ | 0 | 1 | 0 | −0{,}5 | 0{,}5 | 60 |
| $y_1$ | 0 | 0 | 1 | 1 | −1 | 40 |
| $x_1$ | 1 | 0 | 0 | 1{,}5 | −0{,}5 | 60 |
- Wie lautet die optimale Lösung und der maximale Gewinn?
- Ist Maschine A voll ausgelastet?
- Wie ändert sich der Gewinn, wenn die Kapazität von Maschine C um 1 h erhöht wird?
- Wie ändert sich der Gewinn, wenn Maschine B 1 h ausfällt?
Lösung
a) Optimale Lösung ablesen: Basisvariablen und ihre RS-Werte sind $x_1 = 60$, $x_2 = 60$, $y_1 = 40$. Nichtbasisvariablen: $y_2 = 0$, $y_3 = 0$. Zielwert $z^* = 300$.
b) Auslastung Maschine A: Maschine A entspricht der Schlupfvariablen $y_1$. Aus dem Tableau: $y_1 = 40 > 0$ → Restriktion nicht bindend, es sind noch 40 Kapazitätseinheiten frei. Maschine A ist nicht voll ausgelastet.
c) Kapazität C um 1 h erhöhen: Schattenpreis von Maschine C = Wert in $z$-Zeile unter $y_3$ = $0{,}5$. Daher $\Delta z = 0{,}5 \cdot 1 = +0{,}5$ GE.
d) 1 h Ausfall Maschine B: Schattenpreis $\pi_B$ = Wert in $z$-Zeile unter $y_2$ = $1{,}5$. Da $\Delta b_B = -1$: $\Delta z = 1{,}5 \cdot (-1) = -1{,}5$ GE.
Aufgabe 4: Duales Programm aufstellen
Lösung
Schritt 1 – Übersetzungsregeln anwenden:
- $\max \to \min$
- 2 primale $\le$-Restriktionen → 2 duale Variablen $w_1, w_2 \ge 0$
- Rechte Seiten $(5, 6)$ des PP → Zielkoeffizienten des DP
- Zielkoeffizienten $(3, 4)$ des PP → rechte Seiten des DP
- Koeffizientenmatrix $A$ wird transponiert
- Primale $x_j \ge 0$ → duale Restriktion $\ge c_j$
Schritt 2 – Koeffizientenmatrix transponieren: $A = \begin{pmatrix} 2 & 1 \\ 1 & 3 \end{pmatrix}$, also $A^T = \begin{pmatrix} 2 & 1 \\ 1 & 3 \end{pmatrix}$ (hier zufällig symmetrisch).
Schritt 3 – DP formulieren:
u. d. N. $2w_1 + 1w_2 \ge 3$ (aus $x_1$-Spalte)
$1w_1 + 3w_2 \ge 4$ (aus $x_2$-Spalte)
$w_1, w_2 \ge 0$
Aufgabe 5: Simplex-Iteration von Hand rechnen
Lösung
Ausgangstableau:
| BV | $x_1$ | $x_2$ | $y_1$ | $y_2$ | RS |
|---|---|---|---|---|---|
| $y_1$ | 1 | 2 | 1 | 0 | 32 |
| $y_2$ | 5 | 6 | 0 | 1 | 120 |
| $z$ | −40 | −60 | 0 | 0 | 0 |
Schritt 1 – Pivot wählen: Pivotspalte $x_2$ (Koeffizient $-60$), Pivotzeile $y_1$ ($32/2 = 16 < 120/6 = 20$), Pivotelement $= 2$.
Schritt 2 – Neue Pivotzeile (durch 2 teilen): $(1,\ 2,\ 1,\ 0,\ 32) \div 2 = (0{,}5,\ 1,\ 0{,}5,\ 0,\ 16)$.
Schritt 3 – Neue $y_2$-Zeile: alte $y_2$-Zeile $-\ 6\cdot$(neue Pivotzeile):
- $x_1$: $5 - 6\cdot 0{,}5 = 5 - 3 = 2$
- $x_2$: $6 - 6\cdot 1 = 0$
- $y_1$: $0 - 6\cdot 0{,}5 = -3$
- $y_2$: $1 - 6\cdot 0 = 1$
- RS: $120 - 6\cdot 16 = 120 - 96 = 24$
Neue $y_2$-Zeile: $(2,\ 0,\ -3,\ 1,\ 24)$.
Schritt 4 – Neue $z$-Zeile: alte $z$-Zeile $+\ 60\cdot$(neue Pivotzeile):
- $x_1$: $-40 + 60\cdot 0{,}5 = -40 + 30 = -10$
- $x_2$: $-60 + 60\cdot 1 = 0$
- $y_1$: $0 + 60\cdot 0{,}5 = 30$
- $y_2$: $0 + 60\cdot 0 = 0$
- RS: $0 + 60\cdot 16 = 960$
Schritt 5 – Neues Tableau:
| BV | $x_1$ | $x_2$ | $y_1$ | $y_2$ | RS |
|---|---|---|---|---|---|
| $x_2$ | 0{,}5 | 1 | 0{,}5 | 0 | 16 |
| $y_2$ | 2 | 0 | −3 | 1 | 24 |
| $z$ | −10 | 0 | 30 | 0 | 960 |
Schritt 6 – Optimalität prüfen: $z$-Zeile hat unter $x_1$ noch $-10 < 0$ → nicht optimal. Nächster Schritt wäre Pivotspalte $x_1$, Zeilenquotient $16/0{,}5 = 32$ vs. $24/2 = 12$ → Pivotzeile $y_2$. (Nach der zweiten Iteration: $x_1 = 12$, $x_2 = 10$, $z^* = 1080$.)
Aufgabe 6: Sensitivitätsanalyse eines Zielfunktionskoeffizienten
Lösung
Schritt 1 – Aktive Restriktionen an der Optimalecke $(1,3)$ identifizieren:
- $x_1 + x_2 = 4$: Steigung $-1$ (umgestellt: $x_2 = 4 - x_1$).
- $x_2 = 3$: Steigung $0$ (horizontal).
Schritt 2 – Steigung der Isogewinngeraden: Aus $c_1 x_1 + 3 x_2 = \text{const}$ folgt $x_2 = -\tfrac{c_1}{3} x_1 + \text{const}$, also Steigung $-c_1/3$.
Schritt 3 – Optimalitätsbedingung: Damit die Ecke $(1,3)$ optimal bleibt, muss die Steigung der Isogewinngeraden zwischen den Steigungen der beiden aktiven Restriktionen liegen: \[ -1 \le -\frac{c_1}{3} \le 0. \]
Schritt 4 – Umformen (mit $-1$ multiplizieren, Ungleichung dreht sich): \[ 0 \le \frac{c_1}{3} \le 1 \quad\Longleftrightarrow\quad 0 \le c_1 \le 3. \]
Schritt 5 – Interpretation: Solange $c_1 \in [0, 3]$, bleibt $(1,3)$ optimal (nur der Zielwert $z = c_1 \cdot 1 + 3 \cdot 3 = c_1 + 9$ ändert sich linear mit $c_1$). Für $c_1 > 3$ springt das Optimum zur Ecke $(4,0)$; für $c_1 < 0$ zur Ecke $(0,3)$.
Übungsfragen
InterpretationWoran erkennt man im Endtableau, welche Maschine voll ausgelastet ist?
Man schaut auf die Werte der Schlupfvariablen. Eine Maschine $i$ ist genau dann voll ausgelastet, wenn die zugehörige Schlupfvariable $y_i = 0$ ist – das heißt, die Restriktion $\sum a_{ij}x_j + y_i = b_i$ ist mit Gleichheit erfüllt.
Im Beispiel: $y_1 = 0$ und $y_3 = 0$ → Maschinen A und C voll ausgelastet. $y_2 = 30$ und $y_4 = 130$ → Maschinen B und D haben noch freie Kapazität (30 bzw. 130 Zeiteinheiten).
InterpretationWie liest man Schattenpreise aus einem Simplex-Endtableau ab?
Die Schattenpreise stehen in der Zielzeile (bzw. der reduzierten Kostenzeile) unter den Schlupfvariablen $y_i$. Für eine Maximierungs-Standardform sind sie im Optimum ≥ 0.
Beispiel: Steht in der Zielzeile unter $y_1$ die Zahl 100, so bedeutet das: eine zusätzliche Stunde Kapazität auf Maschine A bringt 100 GE zusätzlichen Gewinn – innerhalb des zulässigen Sensitivitätsbereichs.
Wahr/FalschBehauptung: „Erhöht man die Kapazität von Maschine C um 1h, so steigt der Gewinn um 0.5 GE." Wahr oder falsch?
Falsch (auf Basis des Endtableaus im Skript). Der Schattenpreis von Maschine C ist $\pi_C = 66\tfrac{2}{3}$ GE/h. Eine zusätzliche Stunde Kapazität bringt daher rund 66,67 GE Mehrgewinn – nicht 0,5 GE.
Merkregel: Ist die Restriktion aktiv (Schlupf $y_C = 0$), gilt $\Delta G = \pi_C \cdot \Delta b_C$. Der Schattenpreis wird direkt aus dem Endtableau abgelesen; Angaben, die davon abweichen, sind zu widerlegen.
InterpretationWas bedeuten die Werte $y_1 = 0$ und $y_2 = 30$ ökonomisch?
Schlupfvariablen messen die ungenutzte Restkapazität einer Restriktion:
- $y_1 = 0$: Restriktion 1 (Maschine A) ist voll ausgelastet, es bleibt keine freie Kapazität. Die Maschine ist ein Engpass.
- $y_2 = 30$: Restriktion 2 (Maschine B) hat noch 30 Kapazitätseinheiten frei; sie ist inaktiv. Zusätzliche Stunden auf Maschine B würden den Gewinn nicht erhöhen (Schattenpreis = 0).
SonderfälleWann besitzt ein LP unendlich viele optimale Lösungen?
Wenn die Isogewinngerade parallel zu einer aktiven Restriktion verläuft. Grafisch: das Optimum wird auf einer ganzen Kante (nicht nur in einer Ecke) angenommen.
Im Simplex-Endtableau erkennt man das daran, dass eine Nichtbasisvariable in der Zielzeile den reduzierten Kostenkoeffizienten 0 hat. Ein alternativer Basistausch wäre möglich, ohne den Zielwert zu ändern.
SonderfälleWann hat ein LP keine Lösung? Und wann ist es unbeschränkt?
Keine Lösung (unzulässig): Die Restriktionen widersprechen sich – der zulässige Bereich ist leer. Im Simplex äußert sich das in Phase I: das Hilfsproblem hat ein Optimum > 0.
Unbeschränkt: Der zulässige Bereich erlaubt beliebig hohe Zielwerte ($G \to \infty$ bei Maximierung). Im Simplex findet man keine begrenzende Pivotzeile, weil alle Koeffizienten in der Pivotspalte $\le 0$ sind.
ModellierungFormuliere zum PP: max $200x_1 + 500x_2$ u. d. N. $x_1 + x_2 \le 100$, $2x_1 + x_2 \le 120$, $x_1, x_2 \ge 0$ das duale Programm.
Zwei $\le$-Restriktionen → zwei duale Variablen $w_1, w_2 \ge 0$. Zwei $\ge 0$-primale Variablen → zwei duale $\ge$-Restriktionen.
u. d. N. $w_1 + 2 w_2 \ge 200$ (aus $x_1$)
$w_1 + w_2 \ge 500$ (aus $x_2$)
$w_1, w_2 \ge 0$
Die dualen Variablen $w_i$ entsprechen den Schattenpreisen der primalen Restriktionen.
SensitivitätWie wirkt sich eine Änderung der Zielfunktionskoeffizienten auf die optimale Ecke aus?
Die Zielfunktion $G = c_1 x_1 + c_2 x_2$ definiert eine Isogewinngerade mit Steigung $-c_1/c_2$. Ändern sich $c_1$ oder $c_2$, ändert sich die Steigung dieser Geraden.
Solange die Steigung zwischen den Steigungen der beiden aktiven Restriktionen in der Optimalecke liegt, bleibt diese Ecke optimal – nur der Zielwert verändert sich. Verlässt die Steigung dieses Intervall, springt das Optimum auf eine benachbarte Ecke.
Man vergleicht also die Steigung der Isogewinngeraden mit den Steigungen der aktiven Restriktionsgeraden.
KonzeptWarum reicht es, für die Optimumsuche nur die Ecken des zulässigen Bereichs zu betrachten?
Der zulässige Bereich eines LP ist ein konvexes Polyeder. Eine lineare Zielfunktion nimmt ihr Maximum (bzw. Minimum) über einer konvexen Menge immer in einem Extrempunkt (= Ecke) an.
Deshalb genügt es, die endlich vielen Ecken zu prüfen. Der Simplex-Algorithmus wandert genau dieses Eckengerüst systematisch ab und wählt jeweils Nachbarecken mit besserem Zielwert aus – bis kein Verbessern mehr möglich ist. Das ist deutlich effizienter als das komplette Innere zu durchsuchen.
DualitätWas besagt der Einschließungssatz und wozu ist er praktisch nützlich?
Für jedes zulässige $x$ (primal) und $w$ (dual) gilt $f_P(x) \le f_D(w)$ (schwache Dualität). Findet man ein Paar $(x^*, w^*)$ mit $f_P(x^*) = f_D(w^*)$, so sind beide bereits optimal (starke Dualität).
Nutzen: Man kann eine zulässige duale Lösung als Schranke nutzen und dadurch Optimalitätszertifikate ausstellen, ohne den Simplex zu Ende zu rechnen. Ist das PP unbeschränkt, ist das DP unzulässig – und umgekehrt.
InterpretationWas bedeutet es ökonomisch, wenn eine Schlupfvariable einen Schattenpreis von 0 hat?
Schattenpreis = 0 bedeutet, dass die zugehörige Restriktion nicht bindend (inaktiv) ist – es ist noch Kapazität vorhanden ($y_i > 0$). Eine zusätzliche Kapazitätseinheit auf dieser Maschine wäre nutzlos: sie würde nur den Schlupf erhöhen, aber den Zielwert nicht verändern.
Umgekehrt gilt: ein Schattenpreis > 0 zeigt einen echten Engpass an, der sich zu lockern lohnt (Investition in mehr Kapazität rechnet sich bis zum Wert des Schattenpreises).
SensitivitätÄndert sich das Optimum, wenn die rechte Seite einer inaktiven Restriktion um $\Delta b_i$ erhöht wird?
Nein – solange $\Delta b_i$ innerhalb des vorhandenen Schlupfs bleibt. Da $y_i > 0$, ist die Restriktion nicht bindend; eine Verschiebung ändert nichts an der Optimalecke und auch nichts am Zielwert ($\pi_i = 0$).
Anders bei einer aktiven Restriktion: Dort gilt $\Delta G = \pi_i \cdot \Delta b_i$ innerhalb des Sensitivitätsintervalls. Verlässt $\Delta b_i$ dieses Intervall, ändert sich der Basissatz und die Analyse muss neu gerechnet werden.
KonzeptWas ist der Unterschied zwischen einer aktiven und einer inaktiven Restriktion?
Eine Restriktion $\sum a_{ij} x_j \le b_i$ heißt im Optimum
- aktiv (bindend): Gleichheit gilt, $\sum a_{ij} x_j^* = b_i$, Schlupf $y_i^* = 0$. Sie bestimmt die Optimalecke mit.
- inaktiv: Ungleichheit ist strikt, $\sum a_{ij} x_j^* < b_i$, Schlupf $y_i^* > 0$. Sie schränkt die aktuelle Lösung nicht ein.
Nur an aktiven Restriktionen greifen Schattenpreise; Änderungen an inaktiven Restriktionen sind (in Grenzen) folgenlos.
SimplexWarum werden Schlupfvariablen eingeführt und wie beeinflussen sie die Zielfunktion?
Schlupfvariablen $y_i \ge 0$ dienen dazu, Ungleichungen in Gleichungen zu überführen: $\sum a_{ij} x_j + y_i = b_i$. Nur mit Gleichungen kann der Simplex-Algorithmus (Pivotieren via Gauß-Schritten) sinnvoll arbeiten.
In der Zielfunktion tauchen sie mit Koeffizient $0$ auf ($c_{y_i} = 0$) – sie repräsentieren ja keinen Gewinn oder Verlust, sondern bloß ungenutzte Kapazität. In der optimalen Zielzeile allerdings erscheinen unter den Schlupfvariablen die Schattenpreise, was ihre ökonomische Interpretation liefert.