Chen-Notation (Grundkardinalitaeten)
Die klassische Notation von Peter Chen benutzt einzelne Symbole (1, N, M) an den Kanten zwischen Entitaet und Beziehungsraute. Sie druecken aus, wieviele Entitaeten der einen Seite mit wieviel der anderen in Beziehung stehen. Vier Grundformen: 1:1, 1:N, N:1 und N:M. Die Zahl steht immer an der Kante der jeweiligen Entitaet und beschreibt aus deren Sicht die Beziehung. Chen erlaubt keine Aussage ueber Pflichtteilnahme.
Chen: Ein Buchstabe pro Seite - 1 oder N/M - und fertig ist die Kardinalitaet.
Min-Max-Notation
Die Min-Max-Notation ergaenzt jede Kante um ein Paar (min,max). Fuer jede einzelne Entitaet e in E_i gilt: sie ist an mindestens min und hoechstens max Tupel der Beziehung beteiligt. Typische Werte: (0,1), (1,1), (0,*), (1,*). Der Stern bedeutet unbegrenzt. Vorteil: Min-Max druckt zusaetzlich Pflichtteilnahme (min > 0) und optionale Teilnahme (min = 0) aus.
Min-Max: Wieviel Beziehungen hat eine einzelne Entitaet - mindestens und hoechstens?
Kardinalitaeten 1:1, 1:N, N:M
1:1 heisst genau eine E1 zu genau einer E2 (z.B. Ehepartner). 1:N (oder N:1) heisst eine E1 zu vielen E2 (z.B. ein Prof liest viele Vorlesungen). N:M heisst viele zu vielen (z.B. Studenten hoeren viele Vorlesungen, Vorlesungen werden von vielen Studenten besucht). Diese drei Grundformen sind der Kern der Chen-Notation. In Min-Max entsprechen sie den Kombinationen aus (0,1)/(1,1) bzw. (0,*)/(1,*).
1:1 = eindeutig, 1:N = Hierarchie, N:M = Netz.
Funktionalitaet vs. Kardinalitaet
Funktionalitaeten beschreiben, ob die Teilnahme einer Entitaet an einer Beziehung obligatorisch (Pflicht) oder optional ist. Kardinalitaeten geben die Anzahl der beteiligten Entitaeten an. Erst die Kombination von beidem beschreibt eine Beziehung vollstaendig. In der Praxis werden beide Aspekte oft implizit ueber Min-Max ausgedrueckt.
Kardinalitaet = Wieviel, Funktionalitaet = Muss oder Kann.
Leserichtung von Kardinalitaeten
Ein haeufiger Fehler ist die falsche Zuordnung der Zahl zur Entitaet. Bei Chen-Notation steht die Zahl an der Kante nahe der Entitaet und beschreibt aus deren Sicht die Beziehung. Beispiel: bei Prof --1-- lesen --N-- Vorlesung liest ein Prof N Vorlesungen. Bei Min-Max ist die Interpretation gleich: die Zahlen an der Kante von E gelten aus Sicht einer einzelnen Entitaet e in E.
Die Zahl an meiner Seite beschreibt, mit wieviel Entitaeten der anderen Seite ich in Beziehung stehe.
Der Stern in Min-Max (*)
Der Stern * (manchmal auch N geschrieben) bedeutet keine obere Grenze, also beliebig viele. (0,*) heisst optional und ohne obere Grenze, (1,*) heisst mindestens einer und beliebig viele. (0,1) heisst hoechstens einer, (1,1) heisst genau einer. Die haeufigste Kombination in Klausuren.
Stern = unendlich, 1 in min = Pflicht, 0 in min = optional.
Schwache Entitaet und 1:N
Schwache Entitaeten (mit doppelter Umrandung) sind existenzabhaengig von einer starken Entitaet. Die Beziehung zwischen starker und schwacher Entitaet ist immer 1:N (selten 1:1). In Min-Max meist (1,1) auf der schwachen Seite, weil ohne starke Entitaet keine Existenz moeglich ist.
Schwache Entitaet = immer 1:N, Pflicht zur Starken.
N-stellige Beziehung und Kardinalitaet
Bei ternaeren Beziehungen (3 Entitaeten wie Studenten-Professoren-Seminarthemen) steht an jeder Kante eine Kardinalitaet. Beispiel betreuen: Studenten (N), Professoren (1), Seminarthemen (1). Bedeutet: Ein Student und ein Prof bestimmen genau ein Seminarthema, aber ein Student kann bei vielen Profs viele Themen bearbeiten. In Min-Max wird jeder Kante ein eigenes (min,max) gegeben.
Bei n Kanten gibt es n Kardinalitaeten - jede Seite bekommt ihre eigene Zahl.